Zwei Sommer mit dem E-Roller – ein erstes Fazit

Vor 15 Monaten zog Fiete in unseren elektrischen Fuhrpark ein. Seitdem sind zwei Sommer vergangen, und da bietet sich die Gelegenheit zu einem ersten Fazit.

Vorweg schicken sollte ich, dass ich ein Schönwetter- und Gute-Laune-Fahrer bin – wenn es mir zu kalt oder zu nass ist oder wenn mal wieder Unwetter drohen fahre ich ebenso mit dem Bus wie an Tagen, an denen ich morgens zu verpeilt oder zu bräsig bin. Eine Monatskarte habe ich, und die Busanbindung ist zumindest passabel. So hat Fiete auch gerade mal etwas über 1000 Kilometer abgerissen.

Alles digital beim NIU, selbst die gefahrenen Kilometer werden in 1 und 0 angezeigt. 😉

Hauptsächlich fahre ich ja mit Fiete zur Arbeit, die – deutlich entspannteren – Fahrten zum Strand oder zur Eisdiele am anderen Ende des Dorfes sind leider selten und daher für diesen Beitrag vernachlässigenswert.

Meine Arbeits-Strecke ist 11 Kilometer lang und bietet alles, was des Rollerfahrers Herz begehrt (oder eben auch nicht), von der Dorfstraße über Land- und Bundesstraße bis hin zum GroßStadtverkehr. Am angenehmsten ist natürlich die Fahrt durchs Dorf, entspannt und ohne stressige Drängler – jedenfalls solange, bis sie an der Tacho-Eich-Station vorbeifahren und realisieren, dass sie gerade nur 45 km/h und keine 50 fahren, dann werden sie doch etwas nervös. 😉 Relativ angenehm ist auch der Stadtverkehr, jedenfalls wenn man die miserablen Ampelschaltungen und die Rumpelpisten ignoriert. Am unangenehmsten ist der Abschnitt über die vierspurige Bundesstraße – es ist laut, es stinkt nach überholenden Verbrennern, es ist hektisch, und man hat das Gefühl, höchstens 15 Stundenkilometer zu fahren schleichen, während die Autos mit 70 an einem vorbeibrettern. Und die kurze Strecke über die Landstraße klemme ich mir einfach, da nutze ich den Radweg. Alles in allem ist die Strecke nicht wirklich schön, aber wenn man nur die Hälfte der Zeit benötigt und außerdem deutlich flexibler ist als wenn man den Bus nimmt…

In der ganzen Zeit hat mich Fiete nur einmal kurz im Stich gelassen – er wollte nach einem kurzen Zwischenstop einfach nicht mehr anspringen. Die Anleitung mit den Fehlercodes lag natürlich zuhause, keine brauchbare Internetverbindung – Danke! Nach 5 Minuten sprang er dann wieder an als sei nix gewesen. 😮

Einen Unfall gab es bislang zum Glück noch nicht, einen Umfall hingegen schon. Merke: Bei extremem Wind sollte man keine Plane über den Roller ziehen, ist eine Böe mal zu heftig, kann auch ein 80-Kilo-Teil mal umfallen.

Nach dem Umfall – außer dem Spiegel und der Hauswand keine Verletzten

Da hier oben im Norden Regen und Wind aber gerne mal in Kombination auftreten ist es schwierig, so Fiete vor Nässe zu schützen, weshalb auch bereits erste kleine Roststellen auftauchen.

Völlig unproblematisch ist nach wie vor das Thema Akku: Selbst die Winterpause – natürlich brav in der warmen Wohnung geparkt – schlug sich nicht negativ auf die Kapazität aus. Nachwievor lade ich den Akku nach jeder längeren Fahrt, Ausbau und das Schleppen in den dritten Stock nerven auch nach zwei Jahren noch nicht. Den großen Test, wie viele Kilometer denn nun mit einer Akkuladung wirklich zu schaffen sind, habe ich mir bislang allerdings verkniffen.

Fast geräuschlos rollt Fiete durchs Dorf

Nachwievor genieße ich beim Fahren die Stille, wenn Fiete fast geräuschlos daher gleitet – ein Punkt, der auch jeden der “Oh, ein Elektroroller! Darf ich mal ne Runde?”-Fahrer begeistert, ebenso wie der flotte Anzug aus dem Stand. Der Spaß an Letzterem wird allerdings immer dann getrübt, wenn der Schneckenfahrer mit seinem Verbrenner vor dir an der Ampel einfach nicht aus dem Knick kommt – bis der Niu nach dem Zwangsabbremsen nämlich wieder richtig loslegt, das dauert. Und Schneckenfahrer haben wir hier oben leider üppig.

Stellt sich abschließend die Frage, ob sich für mich die Anschaffung gelohnt hat – schließlich fahre ich über’s Jahr betrachtet ja wirklich sehr wenig. Vor allem der gerade vergangene Sommer ließ nicht all zu viele Fahrten zu, jedenfalls nicht für einen “Spaßfahrer” wie mich. Überhaupt, der Spaß: Mit dem Roller zu fahren macht zwar richtig Laune, allerdings nicht unbedingt auf meiner Stamm-Strecke. Also – doch das falsche Gefährt gekauft? Klare Antwort: Nein! Ein E-Bike war (nach längerem Grübeln) ebenso wenig eine Alternative wie ein (elektrisches) Auto oder mein altes Fahrrad, das ich nach 12 Jahren intensiven Ignorierens sowieso erst wieder fahrtüchtig machen (lassen) müsste.

Würde ich mir wieder einen E-Roller kaufen? Ja.
Würde ich mir wieder einen Niu kaufen? Ja!
Würde ich mir unter besseren finanziellen Voraussetzungen (Jackpot, üppiges Erbe, Beamtenstatus) eher einen elektrischen PKW kaufen? Ja, zusätzlich zum Niu. 😉

Stefan und Fiete – Nachwievor die große Liebe! 

Fazit: Alles richtig gemacht mit dem Kauf, und jetzt hoffe ich, dass mir Fiete noch einige Jahre gute Dienste leisten wird.

Wie man angefixt werden kann…

Benedikt hat seinen Leaf bekommen und somit musste der Leihwagen wieder nach Hamburg. Und es begab sich, dass ich den Leihwagen in Form des Hyundai Ioniq mit „volle Hütte Ausstattung“ von Rostock nach Hamburg fahren durfte. Die Frage „Möchtest du…?“ war via Messenger kaum zugestellt und ich hatte diese schon in Fett und Kursiv und Sofort mit „Ja, klar“ beantwortet. Ok, auch Übertreibung ist ein Stilmittel.
Ich hab mich gefreut wie ein Schneekönig, denn vom bloßen Mitfahren in einem Tesla Modell S wusste ich, das wird auf jeden Fall spannend.

Selbst bin ich vorgeschädigt, fahre seit einigen Jahren einen Hybriden von Toyota aus Überzeugung. Keinen Prius, der ist mir einfach zu teuer, es ist ein Auris HSD zweiter Generation, und ich bin eigentlich noch immer sehr überzeugt vom Konzept. Um das kurz fest zu halten: Hybride von Toyota überzeugen mich, was derweil andere Hersteller in diesem Segment versuchten nehme ich nicht ernst, da gibt es konzeptionell schon gravierende Unterschiede…aber das führt zu weit und ich muss jetzt die Kurve bekommen.

Also, ich konnte erstmals eigenständig ein E-Auto fahren, so ein sagenumwobenes Ding, wo hinten nix an Abgasen rauskommt, der surrt einfach durch die Gegend. Wie manch anderer Teutone hierzulande hatte ich so meine Bedenken, da war ja was mit der Reichweite, und Ladesäulen hat außer Tesla auch noch keiner so wirklich über hiesige Gefilde gestreut. Will sagen, auch wenn ich durchaus auf Benedikt und seine Planung zur Tour vertraute – irgendwo grübelte ich dann doch. Auch die Ansage „Lass uns mal für Wismar einen Ladestopp planen, du willst den sicher auch mal treten“ war so, nun ja… ich grübelte eben.
Das Problem war nicht, dass ich was Elektrisches fahren würde – als Hybrid Fahrer kenne ich das zumindest schon im Ansatz – aber da sichert ein schnöder Saugmotor die Reichweite. Beim E-Auto? Welches auch noch gerade 28kWh im Akku hat und dann damit, höchst theoretisch, auf irgendwie 200km Reichweite kommt?

Egal, es ging an einem sommerlichen Donnerstagnachmittag los. Einweisung von Benedikt, Schalterchen hier, Funktionen da, ab dafür…

Erstes Stück war Land- und Bundesstraße, und nachdem man sich in so einem neuen Wagen erstmal eingerichtet hat – ihr kennt das, Spiegel richten und den Sitz anpassen und genießen – da konzentrierte ich mich auf das Auto selbst und das Fahren.
Hey! Sparsam fahren ist eine Sache, die zelebriert man als Hybrid-Pilot, also nehme man das an Wissen, was man daher hat. Möglichst viel gleiten, „Gas“ möglichst pulsen und wenn irgend geht, dann die Rekuperation nutzen um Energie in den Akku zu pumpen. Und was will man sagen? Es dauert keine 10km und man ist quasi eingegroovt und ab hier macht das Fahren nur noch einen Heidenspaß. Wobei man eben diesen Spaß durchaus definieren sollte: Es geht plötzlich nicht mehr darum irgendwie möglichst mit Bums voranzukommen, man wird vollständig entschleunigt!

Und diese Entschleunigung setzte sich bei mir nahtlos von der Land- und Bundesstraße auf die Autobahn fort. Ok, ja klar, erstmal war da „Oh Yes! A20!, Feuer frei!“ Und ich hab den Ioniq mit Kickdown beschleunigt. Irre! Das Ding zog ab und mir glatt die Falten aus dem, ich sag mal, Gesicht 😉
Aber der Schreck folgte sofort, denn von den angezeigten 170km Reichweite waren plötzlich nur noch 90km übrig! Ich dachte nur ok, Wismar schaffen wir, aber ich bremste mich ein und das das Auto auf 130km/h. Das dabei für mich völlig Neue: Diese Geschwindigkeit ging mir nicht auf den Keks. Nochmal ein „Irre!“. Denn normal ist die A20 für mich, trotz aller guten Vorsätze und der „Hybrid Piloten Ehre“ eine Rennstrecke. Da bin ich ein typischer deutscher Autofahrer, wenn möglich, dann Gummi, so schnell wird der Tank schon nicht leer sein…

Der Ioniq schaffte auf der Autobahn etwas, was Toyota mit dem Hybrid bei mir nie hinbekommen hatte: Ich konnte entspannt, wirklich tiefenentspannt, mit ca. 130km/h Richtgeschwindigkeit in aller Seelenruhe dahingleiten. Einfach den Abstandstempomaten rein drücken und das Auto machen lassen. Für mich war das etwas wirklich neues! Es war im Auto ruhig, herrlich ruhig und man kann sich kaum vorstellen wie entspannend das ist. Warum also hektisch die Spuren kreuzen?

Wirklich gestaunt habe ich auf einem Teilstück der A1, Benedikt vor mir und vor ihm so ein Wohnwagengespann, ihr kennt das, typischer Mittelspurpenner eben.

– Ich muss kurz erklären, wir waren irgendwo um Hamburg Reinfeld an einer Schnellladestaion um die Autos nochmal auf 97% zu laden. Warum nicht 100 Prozent? Ich habe gelernt, dass dies am Schnelllader nicht ohne weiteres an Wartezeit möglich ist, weil ab 97% der Ladestrom rapide gesenkt wird. Kennt man eigentlich vom Smartphone und von der E-Dampfe, beim E Auto lernt man das dann eben neu. Wir hatten uns dort eine halbe Stunde Zeit genommen, sind eingekehrt beim Gasthaus zum goldenen M und Benedikt wollte den Ioniq mit möglichst vollem Akku in Hamburg abgeben. Also fuhren wir ab dort Kolonne. –

Also, mittlere Spur, Wohnwagengespann mit gerade so 110km/h voraus, eine Situation, in der ich normal völlig austicken würde. Nicht so Benedikt, auch der Leaf hat einen Tempomaten mit Abstandsregelung, und mit diesem klebte er hinter dem Gespann und ich entsprechend dahinter.
Und? Es kratzte mich null! Entspannt und in aller Seelenruhe sitze ich im gekühlten Sitz, lasse das Auto machen und genieße dabei die absolute Ruhe. Es vibriert nix, es dröhnt nix, ich schaue nicht hektisch in Rückspiegel und auf den Tacho (logisch, nach mittlerer Spur kommt ganz links und da ist man mit einem Hybrid auch schnell an der Grenze zum Hindernis, gibt ja genug Vertreter, die ihre Karossen auf 250km/h und mehr jubeln müssen), ich fahre einfach. Das war schon sehr interessant für mich.

Noch ein Eindruck, der sich eingebrannt hat, war ein Stau in Hamburg selbst. Baustelle und nix geht, weil da auch noch Ampel an Ampel war. Tatsächlich war es so ruhig im Hyundai, dass ich etwas gelangweilt war und mir einfiel, dass ich unbedingt noch Apple CarPlay ausprobieren wollte. Und überhaupt, das Radio gefiel mir vom Klang her auch nicht so recht, trotz DAB+.
Also, das Spielkind in mir erwachte, ich fummelte los auf dem Display, war dann in meiner Musikmediathek gelandet…und drückte Play.
Es muss ein Bild für die Umstehenden gewesen sein! Ich im Auto faktisch erstarrt, beim Leaf vor mir ging das Fenster runter und Benedikt streckte seinen Daumen heraus und die Anlage im Ioniq machte Sound der Extraklasse. Für mich und ebenso für die umstehenden Fahrzeuge.
Wenn mich nicht schon das Fahren selbst so beeindruckt hätte, ab diesem Punkt spätestens wäre ich total, Achtung Flachwitz, elektrisiert gewesen. Ich bin so ein Hifi-Nerd, und mit sowas kann man mich eben kriegen…ich hatte da ganz dicke Gänsepickel auf der Haut.

Es gab noch viele Kleinigkeiten und Eindrücke, ich kürze es jetzt aber ab.

Ich weiß noch sehr gut, wie ich vor Jahren überlegte und rechnete und das Internet durchforstete. So ein Hybrid, macht der Sinn, ist der praktikabel, spart der gar Geld? Ehrlicherweise denke ich erst an mein Portemonnaie, dann auch mal an die Umwelt. Damals hab ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, zudem gab und gibt es genug Vorurteile. Schlussendlich wurde es ein Hybrid von Toyota und seither fahre ich so etwas mit tiefer Überzeugung. Das Konzept funktioniert einfach.
Und so hätte es noch Jahre weitergehen können, wäre da nicht diese Überführung eines Hyundai Ioniq von Rostock nach Hamburg gewesen. Seither tickert es wieder in mir, ich durchsuche das Netz und sammle nun Informationen zu E Autos und zur Infrastruktur drum herum. Wo stehen Ladestationen, wie könnte man längere Touren machen und wie lange würde das dauern und so weiter. Kurz, ich bin angefixt!

Ehrlicherweise bin ich zumindest noch bei den möglichen Reichweite skeptisch, ich muss auch mal schnell von Rostock nach Hamburg oder Berlin und am selben Tag zurück. Da würde ich aktuell mit Leaf oder Ioniq noch nicht klar kommen. Ich sehe aber den aktuellen Stand und denke, da wird in den nächsten Jahren deutlich was nach vorne gehen. Sagen wir, noch einen Hybriden vielleicht, für vier Jahre, aber dann hab ich wahrscheinlich keine Ausrede mehr…